Voraussetzungen und Training

 "Kein Hund bleibt solange fit, freudig und gesund, wie ein richtig gehaltener Zughund." 

(Albert Heim)

 

Syra und Rasco mit dem historischen DoppelspännerSyra und Rasco mit dem historischen Doppelspänner

 

Voraussetzungen des Hundes

Als Mindestalter für den Zughund werden übereinstimmend sowohl vom Schweizer Sennenhunde Verein für Deutschland e.V.  (SSV) als auch vom Begleit- und Zughundesportverein e.V. aus Berlin 18 Monate angesetzt. Ich kenne auch Stimmen, die sagen, großwüchsige Hunde sollten nicht vor Vollendung des zweiten Lebensjahres mit dem Ziehen beginnen. Zu frühe Belastung des Hundes kann zu irreparablen Schäden führen, da Skelett und Muskeln noch nicht kräftig genug sind.

Der Hund sollte geröngt sein (Hüfte, Schultern, Ellbogen), um gegebenenfalls das Trainig anpassen zu können. Auch Hunde mit HD können ziehen - das ist jedoch je nach Stärkegrad tierärztlich zu begleiten.

Ein Höchstalter findet sich nur in der Zughundeordnung des SSV, hier wird das vollendete achte Lebensjahr als "Rentenalter" für den Zughund angesehen. Mir persönlich ist diese Sichtweise zu starr, denn wenn ein Hund fit ist und Freude an der Arbeit hat, dann sollte sie ihm nicht genommen werden. Die Anforderungen werden - wie beim Zughundeneuling - einfach an die Leistungsfähigkeit angepasst und so kann die Zugarbeit dazu beitragen, daß der Hund noch lange fit und leistungsfähig bleibt. So jedenfalls werde ich es mit meinem Hund halten.

 

Temperaturen

Die Zughundeordnung des SSV zieht die Grenze bei 22°C, der Begleit- und Zughundesportverein nennt in seinen Zughunderegeln für Deutschland 25°C als Grenze. Letztlich ist die absolute Zahl zweitranging, wenn Deinem Hund bei sonnigen 17 Grad vielleicht schon zu warm ist. Für Schlittenhunde werden niedrigere Grenztemperaturen angesetzt, deren Arbeit ist jedoch nicht mit der Arbeit am Wagen vergleichbar.

Im Sommer 2016 hatten wir das Glück, oft morgens bei Temperaturen deutlich unter 20 Grad ziehen zu können, ansonsten ist im Sommer wetterbedingt oft Pause. Im Winter bei Minusgraden mit oder ohne Schnee sind wir durchaus gerne unterwegs. Dann ist das vorherige Aufwärmen besonders wichtig, damit der Hund sich nicht verletzt. Und auch bei sehr moderaten Temperaturen darf das Wasser für den Hund an Bord des Wagens nicht fehlen.

 

Zuglasten

Wieviel kann ein Hund ziehen? Viel, wenn man sich historische Aufnahmen anschaut. Zuviel für einen heutigen Familienhund, der seinen Menschen lange Freude machen soll. Gemäß Zughundeordnung des SSV darf der Wagen inklusive Ladung das Vierfache des Eigengewichts des Hundes nicht überschreiten, beim Doppelspänner ist das Sechsfache des Eigengewichts des leichteren Hundes die Grenze. Der Begleit- und Zughundesportverein nennt das Drei- bis Fünffache des Körpergewichtes des Hundes als zulässige Arbeitszugleistung.

Dieses sind Höchstwerte, die im Alltag mit einem Familienhund-Zughund kaum jemals erreicht werden. Mein Hund hat tatsächlich schon einmal etwa das Doppelte seines eigenen Gewichtes gezogen - da mußte ich kräftig helfen, denn es war wirklich schwere Arbeit für ihn! Neben dem Gewicht sind auch der Wagen und der Untergrund entscheidend. Auf ebener, glatter Strecke mit einem leichtgängigen Wagen auf großen Rädern ist deutlich weniger Zugarbeit nötig als bergauf oder mit einem Wagen auf kleinen Rädern. Deshalb sollte man sich nicht nur an der absoluten Zahl festhalten.

Bei Albert Heim (Aufsatz Der Zughund in der Schweiz, Nachweis siehe Lesefutter) kann man 1932 nachlesen: "der geübte Zughund zieht ohne besondere Anstrengung das Fünf- bis Zehnfache seines eigenen Körpergewichts" und weiter heißt es "Welches Gewicht zwischen 100 und 500 kg zu ziehen dem Hunde zugemutet werden darf, läßt sich nicht in Zahlen fixieren. Wohl aber wird der Kenner auf den ersten Blick sehen, ob ein ziehendes Tier überfordert ist, oder nur mäßige, angepaßte Arbeit verrichtet.

Wichtig ist, daß der Hund in seiner Ausdauergangart ziehen darf, dies ist der Trab, bei manchen Hunden auch gerne mal ein flotter Pass. Die größe Arbeit leistet der Hund beim Anziehen, ist der Wagen einmal in Bewegung, so sinkt die zu erbringende Zugkraft und tendiert gegen Null. Albert Heim hat dies bereits beobachtet und erwähnt, daß der Hund im Trab seine Arbeit leicht verrichten kann, während er im Schritt offenbar schwer zu tun hat. Wissenschaftlich untersucht wurden die zu erbringenden Zugkräfte erstmals 1944 durch Fritz Dominik und 2007 erneut durch Silke Habrock.

 

Regelmäßiges Training

Wagenziehen ist Arbeit! Körperlich und geistig. Ein Zughund sollte regelmäßig ziehen und trainieren, nur gelegentliches Anspannen ist eher kontraproduktiv und kann ihm vielleicht sogar die Freude an der Arbeit verleiden. Denn auch Hunde können Muskelkater bekommen. Wichtig: achte auf Deinen Hund! Gewöhne ihn langsam an die Arbeit und verlange ihm nicht gleich Höchstleistungen ab.

Wenn das Wetter es zuläßt und der Hund gesund ist, dann sollte er regelmäßig mindestens zweimal, besser dreimal pro Woche etwas tun. Neben der Zugarbeit selber wird immer gerne das gleichmäßige Traben neben dem Fahrrad oder auch schwimmen empfohlen, eine Trainingseinheit soll dabei mindestens 30 Minuten betragen.

Wir haben den großen Vorteil, draußen eine Art Fitneßstudio mit Anstiegen und Gräben etc zu haben. Unsere täglichen Spaziergänge bieten viel für den Muskelaufbau und halten die Hunde fit. Dazu spanne ich regelmäßig an, zu Beginn der Saison oder nach einer längeren Pause machen wir kürzere Touren, diese werden nach und nach länger. Wir haben vielfältige Möglichkeiten zur Auswahl, besonders gerne wähle ich Strecken, auf denen mein Hund über einen längeren Zeitraum traben kann.

Wasser für den Zughund (und gegebenenfalls auch für den Menschen) gehört immer an Bord des Wagens. Die Sennenhundefreunde Ortenau nennen genau wie der Begleit- und Zughundeverein eine Höchstdauer von zwei Stunden für die Zugarbeit, gefolgt von mindestens einer halben Stunde Pause.

 

Zugarbeit soll Spaß machen, deshalb streben wir keine Höchstleistungen an!